Kognitive Lernziele

Alle nachfolgenden Informationen sind Inhalte der Examensarbeit “Lernfelder der Zirkuspädagogik – Möglichkeiten und Grenzen” von Jens Fissenewert. Bei weiterem Interesse sei ein Blick in das zugehörige Literaturverzeichnis (pdf) empfohlen.

Behrens führt unter dem Gesichtspunkt der kognitiven Fähigkeiten beispielhaft Aufmerksamkeit, Aneignung von Wissen und Kreativität auf und bemerkt, dass ein „qualitatives, zirkuspädagogisches Training […] all diese Kompetenzen“ (Behrens, 2007, 11) beinhalte.

Aufmerksamkeitsschulung findet in allen Bereichen des zirkuspädagogischen Trainings statt, da sich jede Artistin voll und ganz ihrer Disziplin widmen muss, um Erfolge zu erzielen. Konzentrationsschwächen oder halbherziges Engagement werden automatisch sichtbar – durch eine einstürzende Menschenpyramide, einen herunterfallenden Ball aus der Hand, einer Artistin vom Seil oder einen durchschaubaren Zaubertrick. Ebenso aufmerksam muss die jeweilige Hilfe- oder Sicherheitsstellung, meist im Bereich der Akrobatik und Äquilibristik, ausgeführt werden, um Risikofaktoren auszuschließen. „Ein Denken, das darin geschult ist, durch die Bewegungen der Glieder sich in äußeren Tätigkeiten zu verwirklichen, ist kräftiger und beweglicher, es lebt mehr in den Dingen als ein Denken, das nur distanziert betrachten und verstehen will“ (Busse, 2007, 64).

Ballreich beschreibt die Verbindung von Denken und Motorik anhand eines speziellen Jongliertricks. Hierbei wird ein „Ball hinter dem Rücken über die Schulter von der einen Hand in die andere Hand“ (Ballreich, 2000, 41) geworfen. Ein typisches Fehlerbild ist bei diesem Wurf, dass der Ball zu weit nach vorne fliegt. „Dieses Denken hatte nur die Richtung des Werfens im Blick, für das Ziel fehlte die Kraft und die nötige Klarheit“ (ebd., 41). Hier zeigt sich die Bedeutung des unmittelbaren Feedbacks durch den Jonglierball für die Werferin. Wird das Denken der Artistin mit der motorischen Ausführung des Wurfes in Einklang gebracht, so gelingt der Wurf (vgl. ebd., 41f).

Die Aneignung von neuem Wissen ist ebenso Kern der zirkuspädagogischen Arbeit, da, neben dem Kennenlernen einer Vielzahl von neuen, fremdartigen Geräten und Bewegungsformen, jede neue Figur und jeder Trick erst erschlossen und verstanden werden muss, bevor dieser gemeistert werden kann. Oft können Tricks zugänglicher gemacht werden, wenn sie in einzelne Bewegungsphasen aufgespalten werden, aus denen dann der eigentliche Trick zusammengesetzt wird. Beim Kombinieren verschiedener Bewegungsabläufe für eine Präsentation ist zudem „eine Problemlösefähigkeit gefordert“ (Behrens, 2007, 11).

Gutes zirkuspädagogisches Training sollte nicht nur Techniken vermitteln, sondern auch anregen, selbstständig neue Bewegungsabläufe und Tricks zu entwickeln. Auch eine technisch sehr umfangreich versierte Zirkuspädagogin wird in bestimmten Bereichen irgendwann von ihren Schülerinnen überholt werden. Dies sollte jedoch kein Problem darstellen, sondern eine Chance für die jungen Artistinnen, sich selbstständig neue Tricks zu erarbeiten. Die Lehrerin kann zudem Anregungen geben und bei der Bewältigung der neuen Bewegungsaufgaben helfen. In solchen Situationen wird vor allem die Kreativität der Kinder und Jugendlichen geschult. Ebenso sollen in diesem Zusammenhang die Planung und Organisation einer gemeinsamen Aufführung und vor allem die zirzensischen Disziplinen der Clownerie und des Theaters erwähnt werden, die besonderen Raum für die Kreativität der Artistinnen bieten. „Die Kinder befinden sich oft in kreativen Prozessen, aus denen sie mit einem Zuwachs an Erfahrung und Erfüllung sowie der Bestätigung ihrer Einzigartigkeit wieder auftauchen“ (Kohne, 2005, 157).